Sonntagslesungen
Kommentare zu den Sonntagslesungen von Dr. Ingolf Friedrich
7. Ostersonntag B im Jahreskreis - 20. Mai 2012
Lesungen:
Apg 1,15-17.20a.c-26 (Wahl des Apostels Matthias)
1 Joh 4,11-16 (Gott ist die Liebe)
Joh 17,6a.11b-19 (Jesu Bitte für die Jünger)
Evangelium: Joh 17,6a.11b-19 (Jesu Bitte für die Jünger)
6a Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast...
11b Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.
12 Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.
13 Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.
16 Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
17 Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.
18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
19 Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.
Kommentare:
Evangelium - Joh 17,6a.11b-19 (Jesu Bitte für die Jünger)
Dieser Abschnitt aus dem sogenannten hohepriesterlichen Gebet Jesu beginnt mit einer Bitte um die Einheit der Jünger. Der Gedankengang Jesu ist folgender: Solange ich auf Erden weilte, konnte ich kraft der Vollmacht, die du, Vater; mit verliehen hast, meine Jünger in der Einheit bewahren ... außer einem, der verloren gegangen ist. Jetzt aber, da ich sie verlasse, ist ihre Einheit in Gefahr. Man könnte sie aus der Welt wegnehmen, um sie zu bewahren, aber das wäre keine Lösung: denn sie sind ja gerade als Zeugen und Gesandte in der Welt. Vielmehr müssen sie in der Wahrheit geheiligt werden, damit alle eins bleiben und an der Freude des messianischen Reiches teilhaben.
Das Motiv der Heiligkeit erscheint bereits in der Anrede. Auch seine Jünger sollen „geheiligt“ werden. Bei den Juden galt: Gott allein ist heilig, aber er vermag seine Heiligkeit den Menschen mitzuteilen, die seinem Dienst geweiht sind: den Priestern, aber auch allen Mitgliedern des heiligen Volkes. Diese Heiligkeitsvorstellung schließt aber den Gedanken einer Absonderung, einer Trennung von der übrigen Welt, ein. So im Ersten Testament. Jesus meint aber: diese Berufung seiner JüngerInnen zur Heiligkeit und zur Transzendenz (Abhebung von der Welt) entbindet sie nicht vom In-der-Welt-sein. Durch ihr Wirken in der Welt, in die sie gesandt sind, soll sich ihre keimhaft angelegte Heiligkeit entfalten.
Von diesem Evangelium ausgehend lässt sich das Problem der klösterlichen Berufung sehen. Diese Berufung ist für die Kirche unbedingt nötig, damit sie sich nicht in einen oberflächlichen Humanismus auflöst. Man muss sich aber fragen, ob diese notwendige Berufung völlig getrennt von der Welt gelebt werden kann und darf. Kann nicht gerade aus der Beziehung zur Welt die prophetische Funktion des mönchischen Lebens entstehen? Ohne diese wichtige Beziehung zur Welt wird das Mönchtum zu einer Welt für sich. Die Mönche leben dann zwar aus einer Liturgie, die aber keine Berührungspunkte mit dem Leben der Christen mehr hat.
1. Lesung - Apg 1,15-17.20a.c-26 (Wahl des Apostels Matthias)
Es werden zwei Hauptereignisse dargestellt. Das erste, in die Vergangenheit zurückblickende, erinnert an den Verrat des Judas. Das zweite ist der Zukunft zugewandt und beschreibt die Wiederherstellung der Zwölfzahl der Gruppe. Petrus denkt nicht daran, Judas zu ersetzen, weil er tot ist, sondern weil er Verrat begangen hat; das sieht er in Psalm 69,2 vorausgesagt. Zugleich muss Judas laut Psalm 109,8 in seinem Amt ersetzt werden. Es geht hier noch nicht um das Amt eines Zeugen und Missionars, das später zur Aufgabe der Apostel werden wird. Die Zwölf hatten vor Pfingsten noch kein klares Bewusstsein ihrer apostolischen Sendung. Ihrer Ansicht nach bestand ihre Aufgabe darin, als Kollegium zusammen mit Christus bei der Errichtung des endzeitlichen Reiches das Volk Israel zu richten. Nun sind die Elf vor Pfingsten der Meinung, dass das Kommen dieses Reiches unmittelbar bevorstehe. Sie rüsten sich also darauf, demnächst ihre Aufgabe als Richter des neuen Israel auszuüben.
2. Lesung - 1 Joh 4,11-16 (Gott ist die Liebe)
Nachdem Johannes gezeigt hat, dass Gott der Ursprung der Liebe ist, bestimmt er die Zeichen der Gemeinschaft mit Gott: die Geschwisterliebe und das Bekenntnis des Glaubens. Glauben und Liebe sind die Kennzeichen für unsere Gemeinschaft mit Gott. Der Glaube allerdings stützt sich allein auf ein Zeugnis, denn niemand hat Gott gesehen. Und die Liebe ist ein Wagnis, denn die Liebe Gottes ist für uns nicht fassbar. Das christliche Leben besitzt somit eine zweifache Dimension: eine vertikale und eine horizontale. In der ersten erfahren wir, dass Gott die Liebe ist; er hat uns so sehr geliebt, dass er uns seinen Sohn sandte; er will in uns bleiben. Die zweite Dimension drängt uns, unsere Brüder und Schwestern so zu lieben, wie wir von Gott geliebt sind.
Dr. Ingolf Friedrich
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| Veröffentlicht von: | Stefan Wurm |
| Letzte Änderung: | 12.05.2012 17:18 |
| Erstellt: | 17.06.2011 23:38 |