Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden

Vorschau: Timisoara/Rumänien 2022

Das für Juli 2021 vorgesehene 31. Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden in Timisoara /Rumänien mit dem vorläufigen Arbeitsthema: „IDENTITÄT UND VIELFALT“, Religiöses und kulturelles Zusammenleben in Europa, wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf den Juli 2022 verschoben.

Kontakt

Informationen über das Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden:
www.cep-europa.org/?id_idioma=33

Auskünfte und Anmeldung:
Christine Sommer, CEP-Vertreterin Österreichs, cs.sommer@aon.at
Pfarre Namen Jesu, 1120 Wien, Schedifkaplatz 3
pfarre@namenjesu.com

George van Horick, george.vanhorick@dekanat-poysdorf.at

Erkenntnisse und Eindrücke der TeilnehmerInnen

Ängste überwinden – zur Freiheit ermutigen   

Gemeinsame Messe

Einige Erkenntnisse aus dem Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden    

Welchen Herausforderungen sehen sich Christen im Europa von heute gegenüber und wie können sie diese bestehen? Das war der Tenor der Vorträge und Gespräche in den Arbeitsgruppen beim Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden, das Ende Juli in Lviv(Lemberg) in der Ukraine abgehalten wurde und an dem 120 Personen aus 13 Ländern, darunter auch drei aus unserer Pfarre, teilnahmen. Es ist offensichtlich, dass die mühsam errungene Freiheit und die Solidarität in Europa in Gefahr sind. Nicht nur, dass in Osteuropa der Trend besteht, liberale Demokratien in autoritäre Regime umzuwandeln, erhalten zudem in westlichen Ländern populistische, nationalistische und rassistische Tendenzen wieder Aufwind. Freiheit wird von vielen als lästig und riskant erlebt. Misstrauen und Ängste werden geschürt, der Wunsch nach Solidarität dadurch erstickt. Persönliche und nationale Egoismen nehmen zu. Dabei gibt es Probleme, die nur mit gemeinsamer Anstrengung zu lösen sind, wie Ökologie, Migration, Arbeitslosigkeit vor allem für junge Menschen und die Einsamkeit der Alten. 

Was können und müssen wir Christen dabei tun? Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde hochhalten, uns dafür einsetzen und andere dazu ermutigen. Im persönlichen Leben und im politischen. Aus dem Bewusstsein  heraus, dass die Menschheitsfamilie eins ist, Solidarität praktizieren, Diskriminierungen überwinden, die Würde jedes Menschen anerkennen und achten. Die Rückbindung und das Vertrauen auf Gott und seine Liebe können uns Christen den Rücken stärken, sodass wir allein durch unser Beispiel mehr erreichen können, als wir glauben.

 Christine Sommer

Eindrücke vom Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden  


CEP-TeilnehmerInnen

Aus der Sicht eines Jugendlichen:

Wir hatten eine tolle Zeit in Lviv. Das Erste, was schon vom  Flugzeug aus auffiel, waren die goldenen Kuppeln der Kirchen. Alle Kirchen sahen wie neu aus. Aber nicht nur äußerlich sahen die Kirchen anders aus, sondern auch der liturgische Ablauf der hl. Messe war anders. Zum einen dauern die Messen dort nicht, wie bei uns üblich, 50 Minuten, sondern ca. 80 Minuten. Die Messe wird abwechselnd von einem Priester, Diakon und vom Chor gesungen. Die Menschen stehen die meiste Zeit während der Messe und singen ebenfalls mit dem Chor mit. Eine andere Sache, die mir auffiel war, dass dort verheiratete Männer Priester werden können. Außerdem waren dort viele junge Leute in der Messe. Lviv an sich ist eine Stadt, in der Glaube und die Kirche eine große Rolle spielen. Ich habe gehört, dass jede vierte Person in die Kirche geht. Zudem ist die Kirche sozial sehr engagiert. Ein Beispiel sind die Salesianer, die Kindern und Jugendlichen ein Heim und eine Ausbildungsstätte mit einer anschließenden Arbeitsstelle, ermöglichen. So können Jugendliche dort Tischler, Koch, Friseur und in Zukunft auch KfZ-Mechaniker erlernen.
Außerdem durfte ich Jugendliche aus verschiedenen Ländern Europas kennen lernen. Wir verbrachten viel Zeit miteinander. Wir sprachen über verschiedene Themen, so zum Beispiel„Die 10 wichtigsten Taten von Papst Franziskus“ hatten aber auch viel Spaß.

Ismael Salhi

Rückblick:

Das 30. Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden (CEP) fand vom 27. Juli – 1. August 2019 in Lviv (Ukraine) statt. Das Thema lautete „Wer hilft uns Christ zu sein im modernen Europa? Der Untertitel: „Wie finden wir zur Einheit in der Verschiedenheit?“

Hier sind Berichte darüber:

KATHPRESS-Tagesdienst Nr.184, 28. Juli 2019

Ukraine: 30. Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden startet

Bis 1. August diskutieren in Lemberg Laien und Priester gemeinsam über die Zukunft des Christentums in Europa - Wiener Pastoraltheologe Zulehner unter den Referenten

Lemberg, 27.07.2019 (KAP) Die Frage nach der Zukunft der Christen in Europa steht im Fokus des 30. Colloquiums Europäischer Pfarrgemeinden (CEP), das heute (27. Juli) im ukrainischen Lemberg eröffnet wird. Das europäische Vernetzungstreffen von Laien und Priestern dauert bis 1. August. Es findet alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Stadt statt und steht heuer unter dem Motto "Wer wird uns helfen Christ zu sein im Europa von heute? Kann Verschiedenheit uns einen?" Es gehe vor allem um die Erfahrung, dass es "in Europa immer schwerer wird, Christ zu sein", erklärte die österreichische CEP-Laien-Vertreterin Christine Sommer im Vorfeld des Treffens gegenüber "Kathpress". Den Hauptteil des Colloquiums bilden Vorträge von ukrainischen Experten sowie dem Wiener Pastoraltheologen Paul Zulehner über die Zukunft der Kirche. Zentral ist auch der Austausch unter den Teilnehmern, die aus der Sicht ihres pastoralen Engagements über ihre Erfahrungen bezüglich kirchlicher und gesellschaftlicher Fragen sprechen werden, wie Sommer schildert. Neben Austauschmöglichkeiten, Vorträgen und gemeinsamen Gottesdiensten werden für die Teilnehmer in diesem Jahr auch Besuche in örtlichen Pfarrgemeinden, ein "Fest der Nationen" sowie kulturelle Programmpunkte und Workshops angeboten. In diesem Jahr wird das CEP, das zuletzt 2017 in Barcelona stattfand, von der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche organisiert. Sie steht der orthodoxen Tradition nahe, ist aber mit der römisch-katholischen Kirche uniert.   Das CEP ist 1959 aus einer Initiative des Pariser Pfarrers Francis Connan entstanden und stand zunächst unter der Patronanz des Wiener Erzbischofs Kardinal Franz König (1905-2004). Beim ersten Treffen 1961 in Lausanne waren Priester aus sieben Nationen anwesend, und zwar aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz und Spanien. Diese stellten fest: "Da unsere menschlichen wie pastoralen Probleme in Europa, das sich allmählich als Gemeinschaft organisiert, ähnlich sind, wird die Unsinnigkeit eines getrennten und national isolierten Vorgehens in der Pastoral immer deutlicher". So beschlossen sie, einander alle zwei Jahre in einem anderen Land zu treffen und Gedanken zu einem speziellen Thema auszutauschen.   Seit 1973 kommen auch Laien zum Colloquium. Aktuell machen sie bereits mehr als zwei Drittel der Teilnehmer aus. Auch Österreich war schon Gastgeberland für das CEP: 1987 fand das Colloquium im steirischen Tagungszentrum Schloss Seggau statt.

KATHPRESS-Tagesdienst Nr.186, 30. Juli 2019

Zulehner: Kirchen müssen Anwälte der Freiheit sein
 

Wiener Pastoraltheologe bei Austauschtreffen europäischer Pfarrgemeinden in Lemberg: Bürger zum "Risiko der Freiheit" ermutigen und Gefordertes auch in den eigenen Reihen umsetzen

Kiew, 30.07.2019 (KAP) Die christlichen Kirchen Europas haben angesichts eines heute vielerorts wieder erstarkenden Autoritarismus den Auftrag, Anwälte der Freiheit und der Gerechtigkeit zu sein, Solidarität in der Gesellschaft zu fördern und so zum Erhalt des Friedens beizutragen: Das hat der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner am Montag beim 30. Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden im ukrainischen Lemberg dargelegt. Zulehner knüpfte bei seinem Hauptvortrag zur Versammlung an jene Visionen für Europa an, die Papst Franziskus am 25. November 2014 in seinen Reden vor dem Europarat und dem Europaparlament skizziert hatte.   Die "mühsam errungene Freiheit" in Europa sah Zulehner aktuell in Gefahr. Trends in Osteuropa zur Abschaffung der liberalen zugunsten einer "illiberalen" Demokratie deuteten darauf, bei denen statt dem freien Individuum eine ethisch reine, auf dem Christentum beruhende Volksgemeinschaft die Grundlage sei. Seit Mitte der 1990er-Jahre erhielten zudem auch in westlichen Ländern populistische, nationalistische und rassistische Tendenzen wieder Aufwind. Freiheit werde zunehmend als riskant erlebt, aufgrund u.a. der Überforderung des familiären Systems, aus dem daher viele "Ich-schwache" Personen hervorkämen, wegen der als unübersichtlich wahrgenommenen Globalisierung und der geschwächten Institutionen.   Verlässlich und engagiert sollten sich Europas Kirchen als Anwälte für errungene Freiheit einsetzen, so Zulehners Vision. Auf persönlicher Ebene sollte sie dazu familiäre Systeme stärken, die Bürger zum "Risiko der Freiheit" ermutigen und die Freiheit des Gewissens jedes Menschen hochachten und entfalten. Dies gelinge u.a. auch durch Institutionen wie die Ehe, die die einzelnen Menschen "in ihrer Freiheitszumutung entlaste" und sie davor bewahre, "vor der zugemuteten Freiheit zu flüchten". Politisch sei hingegen ein "klares Bekenntnis zur freiheitlichen liberalen Demokratie" nötig, zum Schutz der Menschenrechte wie auch ein Widerstehen der "Versuchung, aus Eigeninteresse politische Parteien und Systeme zu unterstützen, welche den Weg einer illiberalen Demokratie eingeschlagen haben".   Glaubwürdig seien die Kirchen bei diesem Einsatz nur durch konsequentes Eintreten für die Freiheit und Gerechtigkeit auch in ihren eigenen Reihen, so der emeritierte Wiener Universitätsprofessor weiter: Durch Wertschätzung des Gewissens auch der einzelnen Kirchenmitglieder, durch Anerkennung der Menschenrechte, durch die Praxis der Subsidiarität und Synodalität sowie im Abbau weiter bestehender Diskriminierungen, wobei Zulehner hier als Beispiele die LGBT-Szene und die Frauen nannte.  

Ängsten entgegenwirken Das Eintreten für Freiheit und Solidarität müsse jedoch immer auch deren Gegenspieler im Blick haben, als welchen Zulehner die Angst ausmachte. "Angst entsolidarisiert und macht böse. Unsere Selbstverteidigungsstrategien gegen die Angst heißen Gewalt, Gier und Lüge", zitierte der Theologe die Tiefenpsychologin Monika Renz. Aus christlicher Sicht verhindere Angst, "dass Menschen solidarisch und in Gottes absichtsloser Art liebend werden, wozu sie erschaffen wurden". Die Angst, zu kurz zu kommen oder benachteiligt zu werden, führe zu Abwehr, egoistischen Tendenzen und zu einem "Verlust des Urvertrauens". Die Freiheit werde "gefesselt", wobei auch der international aufblühende Nationalismus eine Facette dieser "Politik mit der Angst" sei.  Inmitten von "Kulturen der Angst" sollten die Kirchen "Oasen diffundierenden Vertrauens" sein, so die Zielvorgabe des Wiener Theologen. Durch ihr Wissen um die Einheit aller in einer Menschheitsfamilie hätten sie eine "solidarisierende Kraft", könnten - anders als die Politik - eine "universelle Solidarität ohne Obergrenze" praktizieren und somit auch in der Bevölkerung "belastbare Solidarität mehren", besonders in den von Papst Franziskus genannten Arbeitsbereichen Ökologie, Migration, Arbeit und Alterseinsamkeit. Zulehner: "Natürlich ist eine Kirche keine politische Partei. Aber sie ist politisch unweigerlich parteilich. Sie muss zugunsten der (KATHPRESS-Tagesdienst Nr.186, 30. Juli 2019 Seite 3) Armgemachten und Armgehaltenen ihre Stimme erheben. Denn auch heute schreien diese Arme zum Himmel. Wir wären nicht Gottes Volk, würden wir den Schrei der Armen nicht hören, der in Gottes Ohr dringt."  Als "Grundhaltung der Christen" bezeichnete Zulehner die Haltung "Wir schaffen das - zumindest immer mehr, als wir uns selbst zutrauen, weil wir göttlichen Rückenwind verspüren". Eine Kirche, die sich nicht allein mit der Reform ihrer Struktur beschäftigt sei und nicht nur um sich kreise, sondern sich selbstlos für die Menschen und ihre Ängste und Hoffnungen verausgabe, könne wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen, prophezeite Zulehner. Verwirkliche sie auf diese Weise das Evangelium, trage sie damit auch zu einem "freien, gerechten und friedlichen Europa" bei und "beseele" den von Misstrauen und Zerschlagung bedrohten Kontinent dadurch auch wieder. 

Suche nach "zeitgemäßem Glaubenszeugnis." Das "Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden" (CEP), bei dem Zulehner den ersten Hauptvortrag hielt, findet seit 1961 in jeweils einem anderen Land Europas im Zweijahresrhythmus statt. Das Treffen im Zeichen des Erfahrungstausches startete damals unter Patronanz von Kardinal Franz König, anfangs mit Vertretern aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz und Spanien, und versammelt jedesmal an die 200 Priester und in ihren Pfarren engagierte Laien. Seit 1978 ist das CEP beim Europarat als nichtstaatliche Organisation mit Berater-Status registriert. Ökumenische Kontakte zu anderen christlichen Konfessionen werden gefördert und ausgebaut.  Die diesjährige Begegnung im Lemberger Heiligengeist-Seminar steht unter dem Motto "Wer wird uns helfen, Christ zu sein im Europa von heute? Kann Verschiedenheit uns einen?" Sie wurde am Wochenende vom griechisch-katholischen Erzbischof von Lemberg, Ihor Wosnjak, und dem aus Malta stammenden CEP-Präsidenten, Pfarrer Antonio Cassar, eröffnet. Das Bestreben richte sich darauf, ein "zeitgemäßes Glaubenszeugnis" zu geben, erklärte der Vorsitzende der ukrainischen CEP-Sektion, Pfarrer Mychailo Dymyd. Christen müssten den Mut finden, aus ihrem "Schneckenhaus" herauszukommen und auf andere zuzugehen, "in dem wir einfach als Christen leben".  Weitere Programmpunkte sind u.a. ein Vortrag der Theologin Halyna Tesljuk zum Gleichnis vom Barmherzigen Vater, Workshops, Besuche der Pfarrgemeinden in der Stadt Lemberg und Umgebung, ein Kulturprogramm und ein "Fest der Nationen". Das nächste Colloquium findet laut den Organisatoren 2021 in Rumänien statt, es wird aber aufgrund der Corona-Pandemie auf Juli 2022 verschoben.