Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden

Vorschau: Barcelona 2017

29. Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden ( CEP ) in Barcelona vom 9. bis 14. Juli 2017:

"Christen in Europa: Ihre Vision - Gottes Liebe zu bezeugen."

Details im PDF.

Kontakt

Informationen über das Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden:
www.cep-europa.org/?id_idioma=33

Auskünfte und Anmeldung:
Christine Sommer, cs.sommer@aon.at
Pfarre Namen Jesu, 1120 Wien, Schedifkaplatz 3
pfarre@namenjesu.com

George van Horick, george.vanhorick@dekanat-poysdorf.at

Rückblick:

28. Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden 2015 Lisieux (Frankreich)

Gesandt um zu dienen. Zu den Menschen am Rand gehen!

Erkenntnisse und Perspektiven: 

Das 28. Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden, das vom 5.- 9. Juli 2015 in Lisieux stattfand, brachte für rund 170 TeilnehmerInnen aus 14 europäischen Ländern ein neues Selbstverständnis ihres Christseins.

Angeregt und bereichert durch Vorträge, Lebenszeugnisse und Austausch in mehrsprachigen Arbeitsgruppen wurde den TeilnehmerInnen bewusst, dass die Hauptaufgabe der Christen im Dienst an den Menschen liegt, dass es darum geht, „hinauszugehen“ und nicht unter sich zu bleiben, denn das Ziel der Kirche liegt nicht in ihr selbst.

Die Kirche ist „für die Welt“ und im Dienste der Menschheit, die von Gott geliebt wird und die er zu einem Leben in Gemeinschaft mit ihm aufruft. Die Kirche ist eine Zeugnisgemeinschaft. Die Getauften sind Zeugen dieses Projekts Gottes, das in der Welt umgesetzt wird. Es handelt sich um ein universelles Projekt, das heißt es betrifft alle menschlichen Wesen, denn „er will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden“. (1 Tm 2,4). Es geht darum, « zuzugehen auf », also hinauszugehen wie Gott durch Christus im Heiligen Geist. Dies ist der Grund, warum Christen „gesandt“ sind. Und der erste Dienst, den sie ihren Brüdern und Schwestern in Menschlichkeit erweisen müssen, ist, die Liebe Gottes für jeden einzelnen von ihnen zu verkünden, in Worten und in Taten.

Dies verlangt von Anfang an zumindest den Respekt der Würde eines jeden menschlichen Wesens. Hier gelten die fünf wesentlichen Grundsätze der Soziallehre der Kirche, wie sie Prof. Dr. Tibor Papp/ Ungarn in seinem Vortrag dargelegt hat: zusätzlich zur Würde der Person, die menschliche Solidarität (Gemeinschaft und Gesellschaft), die Subsidiarität (Ergänzung der Instanzen), das Gemeinwohl ( Rahmenbedingungen für das Miteinander) und die Nachhaltigkeit(Einsatz für gerechte Lebensbedingungen und einen schonenden Umgang mit der Natur auf Zukunft hin).

Papst Franziskus betont, dass diese wesentlichen Grundsätze lediglich generelle Richtungsweiser sind, die umgesetzt werden müssen. Was die Vorzugsoption für die Armen betrifft, so wird diese nur richtig verstanden, wenn die Kirche sich ausgehend von den Armen definiert und entfaltet.

Die Erfahrungen mit den Migranten, den Obdachlosen und Ausgegrenzten, von denen im Laufe des Kolloquiums berichtet wurde, lassen ermessen, wie sehr „die Kirche der Ort der selbstlosen Barmherzigkeit sein muss, wo jeder sich aufgenommen und geliebt fühlt, Vergebung findet und dazu ermutigt wird, gemäß dem guten Leben des Evangeliums zu leben“.(EG 114)

Es sei die Aufgabe jedes einzelnen Christen durch sein Zeugnis, seinen Einsatz in der Gesellschaft, seiner Erziehung in der Familie, seiner Pfarrgemeinschaft, usw. Schritt für Schritt auf diesem Weg fortzuschreiten. Und letztendlich seien es die Pfarren, die einen Weg finden müssen, um den Ausgegrenzten, den Obdachlosen und den Migranten nahezustehen und solidarisch mit ihnen zu sein. Diese appellieren heute an Europas Fähigkeit, Menschlichkeit zu zeigen, die von den Kindern Gottes gelebt werden müsse, damit Geschwisterlichkeit nicht nur ein leeres Wort bleibt. Die Christen haben eine Rolle zu übernehmen – ohne sich des Evangeliums zu schämen – individuell, in den zwischenmenschlichen Beziehungen, und kollektiv im Rahmen der Gemeinschaften und des politischen Engagements.

Catherine Vialle – Lille führt in ihrem Vortrag an, dass sich schon im Alten Testament der Wunsch eines gerechten und mitfühlenden Gottes zeige, der diejenigen schützt, die am Rande leben, insbesondere die Witwen, die Waisen und die Immigranten. Gott setzt sich für die Armen ein und fordert seine Gläubigen auf, dies ebenfalls zu tun (siehe Ex 22,20-23; Lv 20,33-34; Dt 24,19-22). Die Propheten kämpften stets dafür, dass die Rechte Gottes und die Rechte der Menschen respektiert werden, die beide eng miteinander verbunden sind (siehe Ex 22,24-26; Am8,4-7; Mi 6,6-8). Durch diese Bewegung, die das Kommen von Gott in die Menschheitsgeschichte bedeutet, werde seine Treue als Schöpfer sowie sein Vertrauen in das von Christus, dem Erlöser, geheilte und gerettete menschliche Wesen ausgedrückt und verwirklicht.

An den Rand zu gehen, ist nicht immer leicht: Es gibt Widerstände. Trotz der Widerstände „dahin gehen“, wo man spontan nicht hingehen würde, wo sich zwei Welten begegnen, die sich oft ignorieren und gegenseitig Angst einflößen – dazu sind Christen eingeladen. Die Mission bestehe nicht darin, etwas zu bringen, was ein anderer nicht hätte, sondern zu erkennen, wie Gott zu ihnen vorausgegangen ist. Das Heil wird sicherlich den Menschen am Rande geschenkt, aber es kommt auch von den Menschen am Rande, wie zahlreiche Schriftstellen bezeugen. Nach dem päpstlichen Schreiben „Evangelii gaudium“ sind Christen dazu eingeladen, bei den Armen zu sein, mit den Armen am Rande. Diese zeigen entgegen der Illusion von Allmacht Bescheidenheit. Sie verweisen auf das Wesentliche, das heißt, dass das Leben geschenkt und empfangen wird entgegen der Logik, dass es nichts ohne Gegenleistung gibt. Die Armen lehren, das Vertrauen in Gott und in den anderen zu setzen!

In den Armen – den Bedrängten gleich welcher Art –Christus zu entdecken, ihrer Sache eine Stimme zu verleihen, aber auch ihnen Freunde zu sein, ihnen zuzuhören, sie zu verstehen und die geheimnisvolle Weisheit aufzunehmen, die Gott durch sie vermitteln möchte, dazu sind Christen berufen. Die Zeugnisse, während dieses Kolloquiums ermutigen zu einer Geschwisterlichkeit mit den Armen.

So soll die Kirche in ihrer Gesamtheit, aber auch die Ortskirche, jede kirchliche Gemeinschaft und ganz gewiss auch jede Pfarre, eine „Samariterkirche“ sein , indem sie die Menschen am Rande wahrnimmt, sich berühren lässt, sich nähert und sich um sie sorgt - individuell, kollektiv und institutionell, mit Herz und Professionalismus, wie es Papst Franziskus fordert. Der Glaube als Erfahrung der Liebe Gottes, des Getragen Seins, und die „persönliche“ Begegnung mit Christus in der Eucharistie, ermöglichen es erst Christen, ihre Menschlichkeit voll und ganz zu leben und ihren Auftrag zu erfüllen, die Welt für alle schöner, geschwisterlicher und wohnlicher zu machen, „damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10).

Christine Sommer

CEP-Vertreterin Österreichs